Zusammen mit Martin Koser (frogpond.de) habe ich letzten Monat einen Beitrag für das T3N Magazin zum Thema “Enterprise 2.0 - von den Mythen zu den Erfolgsfaktoren” geschrieben. Da der Artikel für die “Print”-Ausgabe etwas zu lang geraten war, wurde er von Jan Tißler redaktionell bearbeitet und gekürzt - was sicherlich für das Magazin sinnvoll war. Dennoch sind dabei einige wichtige Aspekte weggefallen, die insbesondere in dem Kontext dieses Weblogs sehr interessant zu publizieren und zu diskutieren sind. Es geht mir dabei um den Absatz, wo wir versuchen, die Unterschiede zwischen “klassischer Content-, Dokumenten- und Wissensmanagement-Technologie” und “Social Software” herauszuarbeiten:

Enterprise 2.0 – Das Informationswesen um den kollektiven Mehrwert erweitern

Was ist nun aber das Besondere an Enterprise 2.0? Insbesondere das Neue, was Generationen von Informations- und Wissensmanagement-Experten bisher nicht erkannt und ausgeschöpft haben? Was unterscheidet Social Software-Werkzeuge wie Weblogs, Wikis, Social Networks oder Rating-Syteme von den bisher bekanntenLösungen? Zum einen basieren diese in der Regel auf einer Reihe von Open-Source-Technologien . Ferner sind sie technologisch eher „leichtgewichtig“, was eine schnelle und unkomplizierte Implementierung und damit eine relativ schnelle Nutzung ermöglicht.

Im Vergleich zu bisherigen Content-, Dokumenten- und Wissensmanagement-Technologien (im Folgenden kurz CDW-Technologien) bieten die „Social Software“-Anwendungen damit auf der Zeit- und Kosten-Dimension durchaus Vorteile für eine breitere Anwendung. Sprich mehr Organisationen und Organisationseinheiten können es sich überhaupt leisten, solche Werkzeuge einzusetzen. Während die „alte“ Generation der CDW-Technologien vor allem Unternehmen mit substantiellen Budgets vorbehalten war, bieten diese Technologien nun Anwendungen für die „Masse“.

Ein weiterer Punkt, der als Unterscheidungsmerkmal für die neue Technologiegeneration angeführt wird, ist die verbesserte Usability der Anwendungen. Während klassische CDW-Technologien oftmals umständlichen Bedienkonzepten unterworfen sind und Mitarbeiter Schulungen für deren Nutzung bedürfen, beschränkt sich das Anwendungskonzept der Social Software auf wesentliche Funktionen und deren vereinfachte Darstellung. Dies führt zu einer höheren Anwendungsakzeptanz bei den Nutzern und damit zu einer verbreiteten Anwendung.

Wenngleich die angeführten Besonderheiten zu einer deutlich breiteren Anwendung der neuen Konzepte führen, so stellen sie doch konzeptionell nur kleine Veränderungen der Software-Konzepte – im Vergleich zu den alten CDW-Technologien – dar. Das im Wesentlichen nicht nur evolutionäre, sondern revolutionäre Merkmal der „Social Software“ liegt in der sozialen Dimension der Anwendungskonzepte: Während klassische CDW-Technologien im Wesentlichen auf dem Sender-Empfänger-Paradigma basieren, was bedeutet, dass es wenige bzw. konkret abgestellte (und ausgebildete) „Autoren“ und „Beitragende“ gibt und eine Vielzahl von „Empfänger“ und „Nutzer“ der abgelegten Informationen, Dokumenten und Wissen, basiert „Social Software“ auf dem Grundgedanken, dass jeder „Autor“ und „Nutzer“ der Informationseinheiten sein kann. Statt die Inputprozesse restriktiv und reglementiert zu gestalten, basieren die Social Software-Konzepte auf einem offenen und sich selbst reglementierenden Prozess.

Als Effekt der damit breiteren, leichteren und offeneren Konzepte werden eine verbesserte Akzeptanz und schließlich ein „größerer“ Input in Bezug auf die im System eingestellten bzw. bearbeiteten und gepflegten Informations- und Wissenseinheiten angestrebt, mit dem Ziel eine breitere Informations- bzw. Wissensbasis zu schaffen. Die hohe Akzeptanz und die transparente Teilnahme fördern zudem kollektive Handlungsschemata, die einen Selbstregulationsprozess in Bezug auf falsche, irrelevante oder subjektiv beladene Informationen und Wissenseinheiten implizieren (Stichwort: kollektive Intelligenz) und ein hohes Involvement bei den an diesem Prozess teilnehmenden Personen fördern.

So ist festzuhalten, dass das Besondere an Social Software in der Förderung einer offenen und nach außen wie innen gerichteten Informations- und Wissenserfassung liegt. Im Vergleich zu klassischen CDW-Technologien können damit Veränderungen in der Informations- und Wissensbasis schneller erfasst werden. Hierbei kommt es im Sinne der Wissenspirale von Nonaka und Takeuchi sowohl zu einer Sozialisierung als auch zu einer Externalisierung von Informationen und Wissen. Lee Bryant von Headshift spricht in diesem Zusammenhang von einem Wandel des Informationswesens von einer Welt der “Content Objects & Processes” zu einer Welt von “Feeds & Flow” (siehe auch Interview im About ECM WORLD Blog). Zum einen führt die vermehrte und einfachere Erfassung von eigenen Informationen und Wissen zu mehr und breiter dokumentiertem “expliziten Wissen”, zum anderen fördert die offenere und transparentere Bereitstellung intensive Rückkopplungsprozesse und dadurch eine weitere Qualifizierung der Information und des Wissens. Diese Externalisierung ist dabei nicht wie in klassischen Informations- und Wissensmanagementprozessen auf wenige, autorisierte “Informationsbereitsteller” oder Wissensträger beschränkt, sondern grundsätzlich allen erlaubt, auch wenn sich der Umfang der als relevant erachteten Informationen über eine gewisse Selektion, in der Regel nach der Autorität ihrer Urheber reduziert.

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Soweit der nur noch in Teilen publizierte Abschnitt, der sicherlich diskussionswürdig ist. Ich freue mich auf ein Feedback.

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