In einem aktuellen Posting stellt Tony Bryne einen Entwicklungstrend der Web Content Management Lösungen in Richtung mehr Frontend-Management fest:
Over the past two years, Web Content Management vendors have fallen over themselves to provide more interactive services on the front ends of websites, closely tied into traditional content production services on the authoring side. Put another way: in an attempt to appeal to the ever-alluring (but often elusive) web marketing manager, CMS vendors are increasingly binding website management to content management.
Er verweist dabei auf Anbieter wie Percussion, SDL Tridion, Interwoven und RedDot als “Forerunner” in dieser Entwicklung, die ihre Entwicklungen sehr intensiv in Richtung “Marketing Applications” und “Web 2.0-style interactive services” trimmen. Vor allem für den deutschen Markt vermisse ich in dieser Aufzählung noch CoreMedia, die bei CMS Watch wohl nicht so gut wegkommen, was ich persönlich etwas überholt finde.
SDL Tridion hat ein nettes Paper zum Thema “Web 2.0 Management” auf ihrer Website, in dem sie auf einen durchaus lesenswerten Beitrag von Dion Hinchcliffe verweisen. In den Best-Practices verweisen sie auf Anwendungen für Forums- bzw. Diskussionskonzepte, User-Generated-Content-Ideen, “Collective Intelligence”-Strategien und Weblog-Realisierngen verweisen. Die im Paper dargestellten Best-Practices sind durchaus respektable Anwendungsbeispiele, wie sich Content-Projekte in Richtung Web 2.0 bewegen können. Dennoch geht mir das noch nicht weit genug, denn die Kernidee hinter Web 2.0 ist nach Tim O’Reilly das Thema “Fostering the Collective Intelligence” - sprich einen “Mehr”-Wert der Information aus der Partizipation mit anderen zu erwirken.
Also Weblogs stellen erst einen “Mehr”-Wert über die klassische News-Publikation durch die einfache und interaktive Vernetzung mit anderen Weblogs und den daraus entstehenden Diskussionen über die Weblogs hinweg dar. Wichtig sind neben der Onsite-Kommentarfunktion zudem Trackback- und Pingback-Funktionalitäten, welche die Vernetzung mit anderen Weblogs automatisieren. (siehe hierzu auch meine Beitrag zu eigenen Erfahrungen!)
Ein weitere Besonderheit für das Informationswesen im Web 2.0 ist der “Mehr”-Wert aus der kollektiven Auszeichnung von Inhalten. Sprich das nicht ein übergeordnetes Content-Team Inhalte vorstrukturiert, sondern jeder Nutzer die Information nach seinem semantischen Kontext auszeichnen und damit strukturieren kann. Struktur ist hiernach nicht vorzugeben, sondern entsteht in der “Cloud” - über Tag-Wolken und ähnliches.
Diskussionsforen sollten hiernach auch nicht vorstrukturiert sein, sondern die Struktur der Foreninhalte sollte sich aus den Auszeichnungen und Inhalten ergeben. Wichtig im Zusammenhang mit der Content-Technologie ist dabei auch, dass User-Generated-Inhalte auf der gleichen Ebene wie Redaktionsinhalte stehen sollten.
Vor dem Hintergrund dieser Anforderungen sehe ich die bei CMS Watch aufgezählten Anbieter noch nicht vollständig im Web 2.0 angekommen, sondern vielmehr auf der Ebene, wo man klassische CMS-(also Redaktions)-Inhalte in Kontext mit User-Generated-Inhalten und -Auszeichnungen setzt. Deshalb fand ich die Positionierung von RedDot - geäußert durch Lars Onasch auf einer der letzten Contentmanager.days - auch sehr passend, die da sinngemäß war: Wir sind eine Aggregations- und Integrationsplattform.
Zum Wandel des Informationsmanagement habe ich mich u.a. auch hier geäußert.



